Tausende träumen den Traum vom großen Glück, vom schnellen Geld und ewigen Ruhm, den die zahllosen mehr oder weniger hell schimmernden Stars der Musikbranche mit scheinbarer Leichtigkeit aus einer Kombination von Talent und ein bisschen Glück generieren. Denn, hat man es erst einmal ins Licht der Öffentlichkeit geschafft, so die einhellige Meinung in den Köpfen vieler Castingshow-Zuschauer, steht einem Leben, das von Designerklamotten, üppigst dotierten Plattenverträgen und Partys mit den WIRKLICH angesagten Leuten ja wohl nichts mehr im Weg.
Falsch gedacht! Sternschnuppengleich erfreuten z.B. die ersten DSDS-Gewinner
Wer mit aufmerksamer Distanz die Castingshows beobachtet wird bald ernüchtert feststellen, dass es bei diesen TV-Formaten ganz sicherlich nicht um Talente oder gar um Musik, sondern schlichtweg um pseudoemotionale Skandälchen und Tränendrüsenmomente der Kandidaten, gefakte Jury-Streiterein und die Grenze der Geschmacklosigkeiten deutlichst überschreitende Sprüche gewisser sogenannter Pop-Titanen geht. Der Fluchtpunkt des ganzen, wohldurchdachten Konzept ist also nicht die Verwirklichung des Vom-Tellerwäscher-Zum-Millionär-Traumes eines unentdeckten Stimmbandkünstlers sondern ein möglichst hoher Marktanteil der privaten Fernsehsender, welcher in der Wertschöpfungskette ungeahntes finanzielles Potential freisetzt: Werbeeinnahmen in Millionenhöhe, Knebelverträge mit den vermeintlichen Gewinnern, welche diese für Jahre in künstlerische und finanzielle Abhängigkeiten zwingen, Merchandisegewinne und und und...
Nur: warum hört man von all diesen aus dem Nichts ins Rampenlicht gezerrten Möchtegern-Stars schon nach wenigen Monaten nichts mehr, wo sie doch für einige Zeit Garanten von umsatzträchtigen Einschaltquoten sind? Wer erinnert sich schon noch an Elli Erl, Martin Kesici oder Overground? Ich mich ehrlich gesagt auch nicht... Einerseits scheint diese Kurzlebigkeit im schnellen Aufeinanderfolgen der verschiedenen Castingshows zu sein, die der konsumkräftigen Jugend fast im wochentakt immer neue Idole schenkt, andererseits sind beispielsweise Sender wie RTL gar nicht an einer qualitativ hochwertigen Produktion und dauerhaften Vermarktung der DSDS-Gewinner interessiert, sondern nur an der Intention, mit allen Mitteln kurzfristig so viel Geld als möglich zu machen, da nicht der Privatsender, sondern SONY BMG die Vermarktung der neuen Superstars übernimmt und somit 50% der erwartungsgemäß spätestens mit Beginn einer neuen Staffel drastisch einbrechenden Gewinne einstreicht.
Deutlich tritt in den vielbejammerten Zeiten globaler Rezession ein Prinzip hervor, welches sich auch gerade in der Modebranche herauskristallisiert: Substanz geht vor Image! Vom Modemarkt verschwindet beispielweise in diesen Krisenzeiten ein gehyptes BlingBling-Label (dessen Verdienst meist nicht in innovativer Mode oder unschlagbarer Qualität, sondern nur in der Umsetzung genialer Marketingstrategien zu finden war) nach dem anderen, selbst den klischeehaft als oberflächlich bezeichneten Amerikanern wird langsam klar: nur aus mühsam erworbenen handwerklichen Fähigkeiten gewachsene Substanz hat gegenüber all den kurzlebigen Label-Luftblasen Bestand.
Substanz??? Die scheinbare Starmania-Verliererin Christina Stürmer beispielsweise erfreute schon lange vor ihrer Zweitplatzierung beim österreichischen DSDS-Pendant als Sängerin in diversen Kapellen die Zuhörer des Nachbarstaates. Oder Max Mutzke: scheinbar wie viele andere Sternchen in der Bedeutungslosigkeit versunken erhält er, gestützt auf das Fundament seines in langer, harter Arbeit erworbenen Musikerhandwerks, durch die Zusammenarbeit mit internationalen Jazz-Künstlern wie Wolfgang Haffner oder Nils Landgren seinen künstlerischen Feinschliff.
Wie also ist es wirklich, das ECHTE Musikerleben fernab von Privatsendern und Bravo-Titelbildern???
Jedenfalls zum Großteil von harter Arbeit bestimmt, die man in der Regel nicht sieht oder die fälschlicherweise als übergroßes Talent interpretiert wird, da die von den Musikern dargebotenen Leistungen oft von so charmanter Leichtigkeit bestimmt sind. Doch Leichtigkeit ist allein die Folge perfekter Kontrolle, welche sich nur nach Jahren zähen Übens und manchmal stumpfsinniger Routine einstellt.
Dies bekamen die Mitglieder der meiner Schulband hier in München besonders in diesem Jahr zu spüren! Getragen von der Welle des letztjährigen Erfolgs stellte sich bei manchen etwas zu deutlich die Bequemlichkeit obschon der erreichten Leistungen ein: Da wurde sich nicht, wie oft hoch und heilig versprochen, gewissenhaft und ausdauernd vorbereitet, nein, man verließ sich doch gerne mehr auf sein Talent als auf fleißige Heimarbeit. (Vielleicht kommt das dem ein oder anderem Leser irgendwie bekannt vor???) Deswegen platzen leider auch nach wenigen Wochen schon die relativ ambitionierten Pläne einer CD-Produktion oder auch der Auftritt beim Oberbayrischen Musikwettbewerb.
Nur einige wenige Bandmusiker machten einen gewaltigen Satz nach vorne und lieferten spieltechnisch und musikalisch Höchstleistungen ab, an die sie ein Jahr zuvor niemals dachten. Selbstständig konnte da ohne großes miteinander Proben ein Mini-Programm für´s Sommerkonzert aus dem Boden gestampft und die Aula gerockt werden. Das ausgeknockte Humpelstilzchen war selbst immobil zuhause sitzend erfüllt von wahrem Stolz!
Und die Überraschung schlechthin: Kandidaten, die noch nicht einmal ein ganzes Jahr ihr Instrument gespielt hatten schafften das wirklich anspruchsvolle Casting – allein weil sie das „Prinzip der harten Arbeit“ verinnerlicht hatten!!!
Solange das Feuer in einem Musiker brennt, mit anderen Gleichgesinnten exquisiten Kulturlärm zu generieren, wird man aus sich heraus auch zu der erforderlichen harten Arbeit am Instrument oder an der eigenen Stimme motiviert sein!
Alle anderen, alle Bequemen, alle SichAufIhrBisschenTalentVerlasser, man möge mir vergeben, werden niemals Musiker sein, sondern bleiben immer nur
MUSIKANTEN…
Was also tun???
Upähnn, Übänn, Üben…
Und dabei niemals vergessen, dass Musik pures Glück in Schallwellenform ist!!!
Der Guru
Der Rock´n Roll ist kein Lehnstuhl!